16. Mai 2026

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Fähren Kerkennah: Die Schiffe „Ramla“ und „Golf de Gabes“

In den 1960er Jahren erlebte der Golf von Gabès in Tunesien eine Phase des Übergangs, bevor die massive Industrialisierung der Region in den 1970er Jahren begann. Wer in dieser Zeit eine Fähre im Golf von Gabès nutzte, reiste meist auf historischen Routen zwischen dem Festland und den vorgelagerten Inseln. Die beiden Fährschiffen „Ramla“ und „Golf de Gabès“ waren zwei der ersten Seeverkehrsmittel, die in den 1960er Jahren Sfax mit der Insel Kerkennah verbanden.

Die Fährschiffe der 1960er Jahre waren meist kleinere, funktionale Motor- oder Dampfschiffe, die oft aus europäischer Produktion (z.B. Frankreich oder Italien) angekauft oder übernommen worden waren. Eine besondere Anforderung für Kapitäne im Golf von Gabès war und ist der ungewöhnlich hohe Tidenhub von bis zu 2 bis 2,5 Metern – einer der höchsten im gesamten Mittelmeer, was das Anlegen der Fähren stark beeinflusste.

Die Schiffe Ramla und Golf de Gabes
Bei den damaligen Fährschiffen „Ramla“ und „Golf de Gabès“ handelt es sich um historische Fähren von Vorgängergesellschaften der SONOTRAK, die in den 1960er und 1970er Jahren die lebenswichtige Verbindung zwischen der Hafenstadt Sfax und dem Kerkennah-Archipel im Norden des Golfs von Gabès bedienten. Sie waren zwei der ersten Seeverkehrsmittel, die in den 1960er Jahren Sfax mit der Insel Kerkennah verbanden. Diese Schiffe werden in Tunesien traditionell als „Loud“ (Plural: Loudes) bezeichnet – ein regionaler Begriff für die flachgehenden Inselfähren, die für die dortigen Untiefen gebaut wurden.

Die „Golf de Gabès“
Sie war eines der ersten motorisierten Fährschiffe der Nachkriegszeit auf dieser Route. Sie löste zusammen mit anderen frühen Motorschiffen die alten Segel-Loudes ab, die bis dahin auf Wind angewiesen waren, um Post, Passagiere und Lebensmittel auf die Inseln zu bringen. Ihr Name war eine Hommage an die gesamte Meeresregion. Aufgrund ihres geringen Tiefgangs konnte sie trotz des starken Tidenhubs im Golf den alten, flachen Anleger von Sidi Youssef ansteuern.

Die „Ramla“
Benannt nach Ramla, dem Hauptort und Verwaltungszentrum der Kerkennah-Inseln, war dieses Schiff ein echter Meilenstein für die Inselbevölkerung. In den 1960er Jahren war die „Ramla“ das Symbol für die Modernisierung des Archipels. Bevor 1962/1963 die offizielle staatliche Fährgesellschaft (die spätere SONOTRAK) die Linie übernahm, war der Transport oft unregelmäßig. Die „Ramla“ half dabei, einen festen, täglichen Fahrplan zu etablieren.

Der Alltag an Bord in den 1960ern
Im Vergleich zu den heutigen Großfähren (wie der Habib Achour) waren die „Ramla“ und die „Golf de Gabès“ winzig. Sie transportierten meist nur wenige Dutzend Passagiere und eine Handvoll kleinerer Fahrzeuge oder Karren. Die Überfahrt dauerte damals oft deutlich länger als die heutigen ca. 60 Minuten. Bei ungünstigem Wetter oder extremem Niedrigwasser mussten die Schiffe im flachen Fahrwasser vor Kerkennah warten.

Technische Daten
Die Fährschiffe „Ramla“ und „Golf de Gabès“, stammten aus einer Ära, in der der tunesische Inselfährverkehr gerade erst schrittweise motorisiert wurde. Genaue technische Datenblätter im modernen Sinne existieren für diese frühen, oft gebraucht übernommenen Schiffe in öffentlichen Registern kaum noch, doch historische Schifffahrtsarchive und Regionalchroniken überliefern die grundlegenden Eckdaten dieser Schiffsklasse.

Technische Charakteristika
Die beiden Fähren gehörten zur frühen Generation der motorisierten Loudes (Inselfähren). Ihre Bauweise war perfekt an das extrem flache Fahrwasser und den hohen Tidenhub im Golf von Gabès angepasst.

  • Schiffstyp: Motorisiertes hölzernes oder stahlverstärktes Küstenfahrzeug (Frühe Loud)
  • Länge (LÜA): ca. 18 bis 24 Meter
  • Tiefgang: Extrem gering, ca. 1,20 bis 1,50 Meter (notwendig für die Untiefen vor Kerkennah)
  • Antrieb: Dieselmotor (oft europäischer Bauart, z.B. Baudouin oder Berliet-Marine)
  • Leistung: ca. 120 bis 200 PS
  • Geschwindigkeit: ca. 6 bis 8 Knoten (entspricht rund 11 bis 15 km/h)
  • Tonnage: geschätzt zwischen 40 und 80 BRT (Bruttoregistertonnen)

Transportkapazitäten im Alltag
Im Vergleich zu modernen Ro-Ro-Fähren waren die „Ramla“ und die „Golf de Gabès“ aus heutiger Sicht extrem klein und boten kaum Komfort:

  • Passagiere: Zugelassen für ca. 50 bis 80 Personen. Es gab meist nur ein einfaches, windgeschütztes Deck oder einen kleinen Salon unter Deck für die Post und sensible Güter.
  • Fahrzeuge: Sie waren keine echten Autofähren mit Rampe. Automobile spielten auf den Inseln in den frühen 1960ern kaum eine Rolle. Transportiert wurden vor allem Handkarren, Esel, Säcke mit Lebensmitteln, Baumaterial und gelegentlich ein einzelner kleiner PKW, der mühsam über Holzplanken an Bord gerollt werden musste.

Betriebliche Besonderheiten

  • Manövrierfähigkeit: Aufgrund des flachen Bodens (um bei Niedrigwasser nicht aufzugrundeln) waren die Schiffe bei starkem Seitenwind im Kanal von Kerkennah extrem schwer auf Kurs zu halten.
  • Wartung: Die Motorentechnik jener Zeit war anfällig für das stark salzhaltige und warme Wasser des Golfs. Die Schiffe mussten für Wartungsarbeiten regelmäßig in die traditionellen Werften von Sfax oder in den Fischereihafen geschleppt werden.

Heute sind die Ramla und der Golf von Gabes noch immer Teil des kollektiven Gedächtnisses der Menschen in Kerkennah und stellen eine wichtige Etappe in der Geschichte des Seeverkehrs in der Region dar.

Fähren Kerkennah – coloriert von ChatGPT

Quelle: Internetrecherche | KI

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